TUSCHbar am 1. Dez 2021 im Kulturhaus Frankfurt

Und es ging doch! Künstler*innen und Lehrkräfte, zum Teil in Tandems, aus 12 der 16 diesjährigen Partnerschaften kamen im Kulturhaus Frankfurt zusammen, um sich über die Anfänge des – immer noch etwas coronabedingt holprigen – Schuljahres auszutauschen. Unter 2G Bedingungen mit vorherigem Selbsttest, die Maske den ganzen Abend nur zum Essen abgelegt, genügend Abstand eingehalten, so ließ sich trotz alledem eine vortreffliche Stimmung ausmachen. Die überaus angeregten Gespräche – zu zweit oder in kleinen Gruppen lassen vielleicht den Rückschluss zu: Die Menschen haben sich gefreut, einander physisch zu begegnen.

So war es dann fast wie bei jeder TUSCHbar: Nach einer kurzen Begrüßung der Leiterin des Hauses Carola Moritz und der Leiterin der Abteilung Theaterpädagogik am Schultheater-Studio, Katharina Fertsch-Röver, hieß die Programmleiterin Gundula van den Berg die Teilnehmenden willkommen.

Die Vorstellung der Geschichte des Kulturhauses respektive der „Katakombe“ war aber schon ein live Erlebnis, wie die Informationen aus Carola Moritz, die neben der Leitung noch Schauspielerin, Tänzerin, Sängerin, Regisseurin, Theaterpädagogin und Autorin von Kinderstücken ist, nur so heraussprudelten. Einst in der Schützenstr. ansässig wie heute das Theaterhaus, erhielt das Theater seinen Namen „Katakombe“, weil es im Keller gelegen war. Dieser Name wurde, weil eingeführt und als politisches Theater seit den Neunzehnhundertsechzigerjahren bekannt, beibehalten, als es in das ehemalige Kinogebäude am Zoo einzog. Im Rahmen der Umstrukturierung der Freien Theaterszene in Frankfurt wurde neben der Katakombe das Kulturhaus ins Leben gerufen, eine Spielstätte im selben Haus, die freien Gruppen (auch Jugendtheater), offensteht. Die Katakombe bietet Stücke an, die sich an dem klassischen Lehrplan orientieren (z.B. Woyzek, Der Sandmann, Frühlings Erwachen) und diese Stücke werden in erster Linie unter der Woche gespielt, wohingegen das Kulturhaus sein Programm eher am Wochenende zeigt; ganz neu: Gilgi. Eine von uns. Nach dem Roman von Irmgard Keun, von dessen Inszenierung auch ein Trailer gezeigt wurde. Die anregende Vorstellung hat den Zuschauer*innen gute Impulse dafür gegeben, demnächst einmal, mit Schulklasse oder privat, das Theater am Zoo zu besuchen!

Die Geschichte des Hauses kommt auch noch einmal durch die unterschiedlichen TUSCH-Partnerschaften zum Ausdruck: Die erste TUSCH-Partnerschaft (2010-2012) wurde geschlossen zwischen der Carlo-Mierendorff-Schule und der Katakombe, dann folgte der Wechsel und von 2016-2018 war es dann das Kulturhaus & Freiherr-vom-Stein-Schule. Die Lehrerin Dorothee Schug war auch heute gekommen, um ein wenig von der Partnerschaft zu erzählen. In einer kleinen Gesprächsrunde mit Carola Moritz und Gundula van den Berg war von der durchaus produktiven Zusammenarbeit zu hören, bei der sich das Tandem gegenseitig unterstützt und ergänzt hat – bis auf den heutigen Tag! Es hat, coronageschuldet, eine Unterbrechung der Zusammenarbeit gegeben, aber zunächst hat die Partnerschaft über tusch+ weitergemacht und mehr und mehr allein durch schulische Förderung, so dass Carola Moritz auch in diesem Schuljahr sowohl im Wahlpflichtunterricht als auch in der Theater AG punktuell unterstützt. Darüber hinaus gibt es weiterhin das Angebot des Theaters, im Deutschunterricht des Jahrgang 7 Balladenworkshops anzubieten. Gerade am vergangenen Montag waren Oberstufenschüler mit ihrer Lehrerin Dorothee Schug zu Gast bei Frühlings Erwachen gewesen. Es ist also kein Ende in Sicht der Zusammenarbeit von Kulturhaus Frankfurt & Freiherr-vom-Stein-Schule!

Doch die TUSCH-geförderte Partnerschaft ist seit zwei Jahren eine neue: die Waldschule in Obertshausen – fast eine „Stadtteilpartnerschaft“, weil die Anbindung mit der S-Bahn so optimal ist. 2019 noch voller Ideenreichtum begonnen; im Dezember hat noch die ganze Schule den „Froschkönig“ gesehen – ist durch Corona vieles zum Erliegen gekommen. Doch aus der Not machte das Tandem schnell eine Tugend: Zunächst in der Notbetreuung und dann in den so genannten Kohorten war Carola Moritz unermüdlich tätig in der Unterstützung der Lehrkraft, das Ziel, möglichst viele der Grundschüler*innen vom Theatervirus anstecken zu lassen, zu erreichen. In kleinen Gruppen wurde Theater gespielt; da, wo das nicht ging, Videos gedreht und zusammengeschnitten; das Letzte, Große, dann ja beim digitalen TUSCHpektakel 2021. Die ganze Schule kennt und liebt mittlerweile die Künstlerin und auch die Eltern sind involviert. Das zeigte in besonderer Weise die Spendenaktion für die Künstlerin, die im letzten Jahr zur Weihnachtszeit von der Elternschaft initiiert wurde! Auch hier sehen wir, wie die Samenkörner, die durch TUSCH gesetzt werden, wachsen und sich entwickeln. Die anderen Teilnehmer*innen der TUSCHbar waren sichtlich bewegt durch die so großartige Partnerschaftsarbeit.

Nun wurde aber eine Überleitung gebraucht, um alle Anwesenden aktiv zu beteiligen. Was liegt da näher als ein kurzes speed meeting mit Corona-Abstand?

  • In dieser gruseligen Zeit hierherzukommen war für mich…
  • Die START Workshops waren für mich…
  • TUSCH ist Stress, weil…
  • Ich könnte mir gut vorstellen, für eine Stunde die Rolle zu tauschen mit meine*r TUSCH-Partner*in…
  • Die Schüler*innen haben mich überrascht, als…
  • Theaterspielen mit Schüler*innen macht Spaß, weil…

Zwei Minuten gab es jeweils zum Austausch, dann bekam jede*r eine*n neue*en Partner*in. Die Gespräche waren äußerst lebhaft und mussten nach den zwei Minuten energisch abgebrochen werden. Die Stimmung war sehr angeregt; auch in den Pausengesprächen wurde eifrig weiterdiskutiert; auch der Raum tat den Menschen augenscheinlich gut.

In der zweiten Arbeitsphase ging es weiter:

  • START-Workshops: Welche Inhalte und Formen sind besonders anregend und effektiv?
  • Welche Erwartungen gibt es seitens der Schule und des Theaters an die Zusammenarbeit? Wie können diese kommuniziert werden?
  • Welche Grenzen oder Widerstände tun sich auf in der Schule / im Theater? In welchen Bereichen?
  • Was kann das Theater in der Coronazeit der Schule an Möglichkeiten bieten, Schüler zu „verführen“?
  • Auf welches Interesse stößt TUSCH insgesamt an der Schule?
  • Wie läuft die Kommunikation im Tandem?
  • Wie kann TUSCH in der Schule und im Theater bekannter gemacht werden?
  • Was ist in der Zusammenarbeit besonders bereichernd?
  • Was habt Ihr für Pläne? Zukunftsvisionen? Ideen für die zukünftige Theaterarbeit an der Schule? Können wir Corona immer „mitdenken“ Was heißt das konkret für unsere Arbeit?
  • Was kann ich unbedingt anderen empfehlen?
  • Wovon möchte ich anderen abraten?

Eine gute halbe Stunde Zeit gab es für die Diskussion. An Ende sollten die jeweiligen Gruppen eine Überschrift für ihre Auseinandersetzung finden und sie dem Plenum mitteilen:

  • „Der blinde Masseur“ oder Impulse geben und Erwartungshaltungen zerstören
  • Kommunikation im Tandem – Rahmenbedingungen. Wie TUSCH ganz unterschiedlich umgesetzt wird.
  • Von „alles geil“ bis „was nun“?

Alles in allem war es heute eine sehr erfolgreiche und kurzweilige Veranstaltung mit vielen Ideen und Anregungen zum Weiterdenken; schön, dass sie live stattfinden konnte!

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