Bericht von der TUSCHbar 2022 im Gallus Theater

Wieder einmal fand die TUSCHbar in einem Theater statt. Wird doch im Sommer nächsten Jahres das TUSCHpektakel bereits zum 5. Mal im Gallus Theater stattfinden, stand nun das Theater selbst bei der Bar im Fokus; eine spannende Entstehungsgeschichte und ein vielfältiges Programm haben Heike Bonzelius und Winfried Becker in ihrem Gastspielhaus anzubieten! Leider waren einige Künstler*innen wegen Engagements verhindert und bei manchen Theatern stehen dieser Tage Premieren an. Da das Interesse am Austausch aber sehr groß ist, wurden bereits im Vorfeld Überlegungen dazu angestellt, die TUSCHbar  im nächsten Jahr vor November oder zu Beginn des neuen Jahres anzuberaumen. Dennoch: nahezu alle Partnerschaften waren bei der TUSCHbar vertreten; 25 Menschen sind an diesem Abend zusammengekommen.

Los ging’s dann im Theaterfoyer mit dem Betrachten einer Kunstausstellung, die seit dem 1.12. im Gallus Theater hängt: Die Künstlerin Leonore Poth, die in mehreren Zusammenhängen bereits in der Peripherie mit TUSCH in Berührung kam, konnte dafür gewonnen werden, an diesem Abend anwesend zu sein und ein paar einführende Worte zu ihrer Ausstellung „Passage“ zu sagen, die Frankfurt-Zeichnungen zeigt.

Danach machten sich die Teilnehmenden auf in den Saal. Das erste Wort hatte der Gastgeber Winfried Becker. Wie bei jeder TUSCHbar bislang, hatte die Theaterleitung die Gelegenheit, ihr Haus etwas näher darzustellen: „Theater ist politisch und verändert die Gesellschaft“ – mit studentenbewegtem Gedankengut, dem Bewusstsein internationaler Solidarität plus dem Fokus auf Bildung. Analog zu Willy Pramls „Gastarbeiterkinder-Theater“ in Dietzenbach entstand, maßgeblich geprägt durch Brian Michaels, allmählich ein Haus für die freie Szene für Randgruppen wie Migrant*innen, Arbeiter*innen, Freejazzer*innen. Auch die damalige Lesben- und Schwulenszene fand (und findet) im Gallus Theater einen Ort für künstlerische Betätigung. Nach einigem Auf und Ab und Krisen bei der Städtischen Förderung konnte im September 1998 unter der damaligen Oberbürgermeisterin Petra Roth ein unabhängiges Theater eröffnet werden, das sich für sozial ausgegrenzte Menschen engagiert und emanzipatorische Prozesse in der Gesellschaft fördern will. Das Leitungsteam hatte inzwischen ihre alten Anstellungen gekündigt, Heike Bonzelius bei der Bank und Winfried Becker hatte der Software-Branche den Rücken gekehrt, so dass beide hauptamtlich für das Gallus Theater arbeiten konnten. Das Theater ist durch vielfältiges Engagement, wie zum Beispiel Mitarbeit im Präventionsrat, im Stadtteil verankert und hochgeschätzt.

Mit der Paul-Hindemith-Schule begann ziemlich zu Beginn des Programmes TUSCH Frankfurt auch die Beteiligung des Gallus Theaters; es folgten die Bürgermeister-Grimm-Schule (damals eine reine Förderschule), dann kam die Hellerhofschule, die Grundschule Riedberg (mal außerhalb des Gallus); jetzt ist das Gymnasium Römerhof TUSCH-Partner, bereits im dritten Jahr. Einige der „alten“ sowie die Lehrerin der aktuellen Partnerschaft hatte hier noch einmal die Gelegenheit, auf der Bühne „aus dem Nähkästchen“ zu plaudern.

Dann wurden noch die neuen Partnerschaften in der Runde 16 begrüßt:

  • Theateratelier Bleichstraße 14h & Eichendorffschule
  • Landungsbrücken & Käthe-Kollwitz-Schule
  • Schauspiel Frankfurt & Schule am Mainbogen

Nicht nur neue Partnerschaften, auch neue Lehrkräfte, die in dieser Runde dabei sind, wurden begrüßt. Neben den altbekannten TUSCHen und Bleistiften (TUSCH stiftet an!) gab es für alle die gerade aus dem Druck gekommenen Haftnotizen (TUSCH zettelt an!).

Auf der Bühne waren zwei gegenüberstehende Stuhlreihen vorbereitet für das dann auf dem Programm stehende speed-dating  zum Thema START-Workshops:

  • Theaterspielen mit Schüler*innen macht Spaß, weil…
  • Ich könnte mir gut vorstellen, für eine Stunde die Rolle zu tauschen mit meine*r TUSCH-Partner*in…
  • Der START-Workshop war intensiv, weil …
  • Ich hätte mir allerdings für den START Workshop gewünscht, dass
  • Inwieweit können wir die Schüler*innen an der Planung und Gestaltung noch mehr mit einbeziehen?

Da die Zeit zum Austausch in einer solchen Form natürlich sehr begrenzt ist, schloss sich die Pause direkt an, um Gesprächsfäden wiederaufzunehmen und bei einem Glas Wein und Käse, zu vertiefen. Hier noch ein paar Zitate aus dem speed-dating:

„TUSCH macht Spaß, weil es den Kindern einfach Spaß macht.“ „Theater spielen ist immer inklusiv.“ „Wenn wir Theater spielen, wird alles andere irrelevant.“ „Bei den START-Workshops liegt immer dieser Zauber, diese Aufregung in der Luft. Wer sind dieses Mal die Kinder/Jugendlichen, wer ist da vom Theater?“

Nach der Pause ging es noch einmal weiter im Programm. An den kleinen runden Tischen im Foyer waren jeweils Moderationskärtchen und Stifte ausgelegt. Das Thema lautete: Mehr Beteiligung! Wer ist hier heute nicht anwesend? Geben wir denen eine Stimme! Wir wollen die Interessen der Abwesenden fruchtbar machen. Aber auch unsere eigene Beteiligung auf den Prüfstand stellen: Wie können wir mehr strukturelle Partizipation bei TUSCH langfristig erreichen? Dabei waren folgende Kärtchen schon auf je einem Tisch bereitgelegt:

• Schulleitungen                    • Eltern                      • Lehrkräfte

• Schüler*innen                    • Jugendhilfe             • Künstler*innen

• Förder*innen                      • X (frei zu ergänzen)

Beteiligung ist ein Kinderrecht und sollte auch in der Kulturellen Bildung selbstverständlich sein. Aber: inwieweit kann das gelingen? Die heutige Arbeit sollte die Gedanken der Teilnehmenden darauf lenken, eine Saat setzen, die zu kreativen Ideen und Lösungen führen kann, schrittweise mehr Partizipation, nicht nur der Kinder und Jugendlichen, bei TUSCH Frankfurt zu implementieren

Hier schon einmal erste Impulse:

  • Offenbacher Partnerschulen besuchen sich gegenseitig
  • Zwei TUSCH-Partnerschaften tun sich (jeweils) zusammen und zeigen sich gegenseitig noch Unfertiges
  • TUSCH verbindet sich mit anderen Programmen Kultureller Bildung
  • „Schüleraustausch“ zwischen einzelnen Partnerschaften
  • Gruppen verbinden sich einmal vor dem SCHpektakel
  • Schüler*innen machen/planen/gestalten ein Rahmenprogramm für TUSCH-Veranstaltungen nach ihren Wünschen (Rentner*innenschminken, Skateboardcontest …)
  • START-Workshop auf der Bühne des Partnertheaters (wird allerdings schon oft gemacht!)
  • Mehr Beteiligung der Lehrkräfte bei den TUSCH-Veranstaltungen wie TUSCHbarTUSCH bar, offenere Gestaltung für eigene Fragestellungen
  • TUSCH im Spannungsfeld zwischen vorgegebener Struktur (kommt belasteten Lehrkräften zu Gute) und Partizipation, die eine aktive Haltung zur Mitgestaltung voraus- und sich dem „Konsum“ widersetzt.

Schon diese bewusst im Rahmen der Bar kurz gehaltene Beschäftigung mit dem Thema hat gezeigt, dass es eine große Bereitschaft unter den TUSCHler*innen gibt, an dem komplexen Gebilde der „Partizipation“ kreativ weiterzudenken und daraus auch Konsequenzen für die Veranstaltung von TUSCH zu ziehen. Das TUSCH-Team wird diese Gedanken weiterverfolgen!

Die nächste Gelegenheit dazu bietet das

TUSCHplenum am 23.3.2023, von 15 bis 18 Uhr im Schultheater-Studio.

Die Veranstaltung besteht aus einem praktischen und einem Diskussionsteil: Es soll um Wirkmechanismen von „handgemachter“ Live-Musik im Theater gehen. Von einfachsten Soundeffekten aus der Geräuschemacher*innenwerkstatt/Geräuschewerkstatt bis zu komplexen Klangstrukturen. Der Musiker und Musikpädagoge Christoph Heidt und die Musikerin und Musikpädagogin Nathalia Grotenhuis werden je einen Workshop zu dem Thema anbieten. Danach werden wir, hieran anknüpfend, den Gedanken der Partizipation, weiterspinnen.

Das TUSCHpektakel wird wieder im Gallus Theater stattfinden in der Zeit vom 19.-23.6.2022

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