Mathildenschule & Schultheater-Studio

Schule ohne Theater … das kann man schon machen, aber dann fehlt einfach was.

Michi Cordes

SEIT: 2019/20
ANSPRECHPARTNER*IN:
Nergis Selcuk
Michi Cordes
ZIEL: Schule mit Theater motivierender und schöner machen.

Projekt 2021

Was passiert Gutes in der Welt? „Startworkshops unter Hygienemaßnahmen“ hier, „coronakonform Theater spielen“ da. Ganz schön viel nervt im Moment, da stellen wir uns schon die Frage, was eigentlich Gutes in der Welt passiert! „Gesunde Ernährung, das haben wir gerade in Biologie.“ – „Ich mag Kaugummi.“ – „Es gibt einen Kuli, der hat hinten einen Radiergummi, der ist voll gut für in der Schule!“ -„Freundschaft.“ Und so machen wir, die 5b der Mathildenschule in Offenbach zusammen mit dem Schultheater-Studio Frankfurt, uns auf die Suche nach kleinen und großen guten Dingen auf der Welt. Wir suchen im echten Leben und in ausgedachten Geschichten, in Zeitlupe und im Zeitraffer, wir suchen in Istanbul, Paris und Thessaloniki. Und am Mainufer, weil es da doppelt gut ist: Schule draußen ist schöner und gleichzeitig Corona austricksen noch besser! Und am Ende des Schuljahres werden wir einen Kurzfilm zeigen. Hoffentlich haben wir dann viele gute Dinge gefunden!

TUSCHpektakel 2021

Die Schüler*innen haben sich mit Positi­vem beschäftigt: „Was gibt es Gutes auf der Welt?“ war ihre Recherchefrage, ein nahezu therapeutischer Ansatz in dieser Zeit, in der die Pandemie so raumgreifend war. Und es lie­ßen sich tatsächlich viele gute Dinge finden: Mathemaschinen und all das, was an der Schule gut ist, Lieblingsorte zu Hause in Offenbach aber auch in Frankreich, Bulgarien, der Türkei, Italien. Schön dazu auch der Satz: „Überall auf der Welt sind Sonnenuntergänge schön“. Und diese Welt gilt es zu beschützen – mit diesem nachdenklichen Appell schließt der Film, der nicht nur durch seine wunderbare Musik besticht.

Projekt 2022

„Voll peinlich.“ – „Die lachen mich aus.“ – „Muss ich viel Text auswendig lernen?“ – „Ich werde mich so blamieren.“ – „Kein Bock auf Theater!“ Was aber, wenn Theater bedeutet, sich auf die Jagd nach der heiligen Klobürste zu machen? Was, wenn Rotkäppchen Astronautin, der Wolf ein Alien und der Wald das grenzenlose Weltall wäre? Oder wenn du endlich mal sagen und tun kannst, was dich wirklich interessiert? Also machen sich die Theaterpädagogin, die Lehrerin und die Schüler*innen der Klasse 5T auf den Weg und suchen die Grenzen. Ist die Klassenzimmertür eine Grenze, oder das Schultor? 1,5 Meter Corona-Abstand?

Und sie finden überall Grenzen. „Beyblade ist wie Rauchen. Macht süchtig.“ Grenzen, über die jeden Tag jemand geht – sie haben eine lange Liste mit Dingen, die so richtig nerven!

Wann fühle ich mich wohl und wann nicht mehr? Hat Theater eine Grenze? Was passiert, wenn ich darüber gehe – kommt das FBI? Die Partnerschaft sucht in ihrem zweiten Jahr die Anknüpfung an das Stück „Trau Dich!“, einem BZgA Projekt zum Schutz vor sexuellem Missbrauch, das im Schultheater-Studio produziert wurde und in Hessen sowie in Rheinland-Pfalz gezeigt wird, und in dem die Theaterpädagogin mitspielt.

TUSCHpektakel 2022

Die Mathildenschule ist auf dem Weg, eine vom Hessischen Kultus­ministerium zertifizierte Kulturschule zu werden. Ein Baustein dafür ist die Theaterklasse im fünften Jahrgang. Die jetzige T6 (heute die Gastklasse) war im letzten Jahr bei TUSCH invol­viert, als es darum ging, unter Coronabedingungen Videos auf öffentlichen Plätzen zu dre­hen. In diesem Jahr waren die Voraussetzungen schwieriger; das letzte Grundschuljahr der Kinder war von Corona geprägt und der Übergang in die weiterführende Schule entspre­chend schwierig, da, wie eingangs bereits erwähnt, das Einüben und Anwenden vielfältiger sozialer Interaktionsmuster doch in diesen prägenden zwei Jahren zu kurz kamen. Auch bei der Einwahl in die T Klasse wird noch nachgearbeitet, um weiter auszuschließen, dass Kinder dort sind, deren genuines Interesse nicht dem Theater(spielen) gilt. Die Schule mit Profil „Kulturelle Bildung“ (das Musikprofil hat die Schule ohnehin bereits) ist allerdings erst im Aufbau und das Schultheater-Studio ist gerne mit der TUSCH-Partnerschaft bereit, hier wei­tere Unterstützung zu leisten!            

Und doch: die Klasse hat mit ihrer Präsentation von „Grenzenlos“ das Publikum über­zeugt: selbst Probleme mit der Technik haben sie (immerhin erst Klasse 5!) souverän von der Bühne aus gelöst. Drei Stühle auf der Bühne, die Kinder in Alltagskleidung: ein typischer Kon­flikt wird dargestellt. Ein Schüler, der mit seiner Mutter beim Schulleiter ist, soll die Schule kennenlernen, nimmt aber einen Ball und wirft ihn weg. Die Mutter berichtet in seiner Ab­wesenheit über mobbing und unhygienischen Zuständen an der alten Schule. In weiteren Szenen geht es um Cliquenbildung, Lästern und verbale Eskalation. Dann lesen Schülerinnen diskreditierende Kommentare ihrer Lehrkräfte vor, untermalt von dramatischer Musik – mit der Konsequenz, dass sie den Müll, den sie gerade erst selbst produziert haben damit, wie­der wegschaffen müssen – in ebenso harschem Ton vorgetragen wie die gerade erst verlese­nen Sätze der Lehrkräfte. Dann wechselt die Ebene: Miniatur-Holzfiguren geben die Ele­mente für die Gruppe vor: „Wir lassen uns nicht verbiegen!“ – dann plötzlich hat jedes Kind eine solche Figur. Den Abschluss bildet die Fortsetzung des Gespräches zwischen Schüler, Mutter und Schulleiter vom Anfang: Der Schüler darf bleiben!