Gymnasium am Römerhof & Gallus Theater

Theater und Schule verbinden Leben und Kunst.

Lydia Karavidas

SEIT: 2019/20
ANSPRECHPARTNER*IN:
Lydia Karavidas
Nicole Peinz
ZIEL: „Theater spielen“ mehr an Schulen verankern.

Projekt 2021

Als START-Workshops haben alle fünf Klassen des Jahrgangs 7 im ersten Jahr ihrer Partnerschaft jeweils an einem 90-minütigen Theaterworkshop zum Thema „gemeinsam Geschichten erfinden“ teilgenommen. Dafür wurde die Methode „Theater Direkt“ genutzt. Die Schüler*innen bauten dabei Hemmungen ab und setzten ihren Körper sowie ihre Stimme gezielt als Ausdrucksmittel ein. In der nächsten Phase entwickelte die Gruppe selbst eine Geschichte, indem sie affektiv Fragen zu Figuren und deren Erlebnissen beantworteten. Auf diese Weise konnte jede/r eigene Ideen einbringen. Die Geschichten wurden anschließend in kleinen pantomimischen Szenen umgesetzt und vor der Gruppe präsentiert. Im ersten Halbjahr hat die Theater-AG aus den Jahrgängen 6/7 zu den Themen „Ausgrenzung und Zusammenhalt“ gearbeitet. Die Schülerinnen und Schüler lernten theatrale Gestaltungsmittel kennen, entwickelten eigene Szenen, präsentieren sie und reflektierten deren Wirkung. In der Theater-AG wurden die Jugendlichen auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung gefördert, indem sie ihre Wirkung auf andere erlebten, ihr Selbstwertgefühl stärkten und situationsgerecht eigene Interessen einbrachten beziehungsweise zurückstellten. Ganz in diesem Sinne wurde zum Ende hin vermehrt im Sinne des „biografischen Theaters“ gearbeitet und das Ergebnis der Arbeit war ein Kurzfilm, der im Rahmen der „Virtuellen Tage der offenen Tür“ auf der Homepage der Schule veröffentlicht wurde: Ästhetisch-Kreatives – GYMNASIUM RÖMERHOF (gymnasium-roemerhof.de)

TUSCHpektakel 2021

Beide 5. Klassen haben am Thema „Habe ich Dir eigentlich von meiner Familie er­zählt?“ (in Anlehnung an ein Projekt des Anne-Frank-Hauses in Frankfurt). So beginnen auch einige Szenen mit „Liebes Tagebuch…“ In den Videos geht es um Alltagsgeschichten, bei der 5a wird, gleichsam als roter Faden, immer wieder die Geschichte eines im Auto „vergesse­nen“ Kindes erzählt, auch typische Streitszenen in der Familie kommen vor. Humorpunkte bekommt die Klasse 5b für die Aussage einer Oma: „Zum Glück wissen meine Enkelkinder nicht, welche Note ich in der 5. Klasse hatte…“ Gleichberechtigung zwischen den Geschlech­tern wird bei der 5b noch zum Thema genauso wie misanthropische Nachbarn und ungezo­gene Hunde. Die älteren Kinder der IGS Süd gingen sehr mit den Geschichten mit, stellten viele Fragen und hatten eine Menge Lieblingsmomente.

Projekt 2022

Zwei Theaterpädagoginnen konnten neu dazu gewonnen werden, um die Kooperation im zweiten Jahr weiterhin auf gute Füße zu stellen. Durch die neue Zusammensetzung werden erst Anfang 2022 die START-Workshops für alle 6. Klassen angeboten, die im vergangenen Schuljahr noch nicht die Möglichkeit hatten, mit Theater in Berührung zu kommen. Jede Klasse kann dabei in 90 Minuten etwas Theaterluft schnuppern. Es geht darum, das Theaterspielen kennenzulernen und zu erspüren, wie der Körper dabei als Instrument eingesetzt werden kann. Was kann alles ohne Sprache nur mit dem Körper dargestellt werden? Wie schnell kann ich alleine mit meinem Körper zeigen, was ich ausdrücken möchte? Spaß und Spielfreude vermitteln steht dabei im Fokus. Darüber hinaus soll es dem gesamten 7. und 8. Jahrgang ermöglicht werden, das Partnertheater zu besuchen und eine Theatervorstellung zu erleben. Die Theater-AG, an der Kinder aller Jahrgangsstufen mitwirken, besteht seit Schuljahresbeginn und wird von einer ausgebildeten Theaterlehrerin geleitet. Eine Theaterpädagogin wird in Hinblick auf eine hoffentlich mögliche Live-Aufführung unterstützen.

TUSCHpektakel 2022

„NICHT – Wie ihr mich wollt!“ war entstanden aus der Zusammenarbeit von Gallus Theater und Gymnasium Römerhof, einer Schule, die sich ebenfalls auf dem Weg zur „Kul­tur­schule“ befindet. Bei der Themenfindung und der Entwicklung von Materialien ging die Theater-AG Jg. 5-8 zunächst vom Ansatz des biografischen Theaters aus. Dabei haben die Kinder und Jugendlichen Fragebögen zu den Themen „Kindheit und Jugend“ erhalten, die sie selbst ausfüllen sollten, aber anhand derer sie auch Interviews mit Menschen unterschiedli­chen Alters führen sollten. In den Fragebögen wurde z.B. Folgendes abgefragt: Worin unter­scheiden sich Kinder und Erwachsene? Was hat man dir früher immer verboten? Was ist für dich eine besonders schöne Kindheitserinnerung? Wenn ich schon 18 Jahre alt wäre, dann würde ich… / Wenn ich noch einmal 18 Jahre alt wäre, dann würde ich…. Dabei wurden Ge­schwister, Eltern, Großeltern und Bekannte befragt. Die vielfältigen Antworten dienten dann zur Weiterarbeit und lieferten großartige neue Inspirationen. Als Spielform wurde die Col­lage gewählt, wobei mit der Reihenfolge und Verbindung der Bilder experimentiert wurde, bis eine endgültige Dramaturgie stand.

Die Gruppe beschäftigte sich vor allem mit chorischen Elementen, wobei sowohl cho­risches Sprechen als auch chorische Bewegungsabfolgen erprobt wurden. Diese Form eig­nete sich besonders gut in Hinblick auf das Thema, da einzelne Kinder im Chor in die Gruppe der Gleichaltrigen ein-, aber auch als Individuum aus dieser heraustraten. Als Requisit nutzte die Gruppe Zeitungen, die einerseits symbolisch für die sachlich, nüchterne Welt der Erwach­senen stehen sollten und andererseits polyfunktional in der Welt der Kinder zum Ein­satz ka­men. Zum Beispiel: Eine Mutter liest Zeitung, Kinder kommen auf die Bühne und wol­len et­was von ihr, sie schaut nicht auf, Kinder spielen bzw. werfen sich ab. Das zentrale Thema bleibt: „Ich will ich sein“. Der Lebensweg von Kindern ist vorgeplant, Erwachsene müssen sich selbst helfen. Vorzüge des Kinder- und des Erwachsenen-Daseins werden ausge­lotet – es kommt zur Konfrontation dieser beiden Gruppen. Fazit: „früher war alles besser“ – heute macht man „Theater“? Mit einem genialen Abschlusstableau endet die Präsentation und wirft viele Fragen auf, die auch von den Moderierenden sofort ans Publikum weiterge­geben und hier zitiert werden sollen: Was würde man als Elternteil erlauben/ nicht erlau­ben? Hier ein kurzer Einblick:

  • Keine Tattoos, kein Alkohol (mehrfache Nennung)
  • Kind soll glücklich sein
  • Soll erst später ein Handy bekommen
  • Viel erlauben, aber darf kein Mist machen
  • Soll fünfmal am Tag beten
  • Abends nicht alleine unterwegs sein