Ernst-Reuter-Schule 1 & Kortmann&Konsorten

Schule und Theater sind wie ...

SEIT: 2021/22
ANSPRECHPARTNER*IN: Sarah Kortmann
Ole Bechthold
Maxi Pretzel
Franciska Boateng
Samuel Logan

TUSCHpektakel 2022

Die letzte Präsentation am Mittwochnachmittag zeigte einer der drei DS-Kurse der Ernst-Reuter-Schule 1 in Kooperation mit Kortmann und Konsorten, auch eine neue Partnerschaft. Alle drei haben sich mit den Metamorphosen von Ovid beschäftigt und nach Wegen gesucht, für die heutige Zeit relevante Essenzen zu finden, was allen drei Gruppen auch unbedingt ge­lungen ist! Mit “Sind wir nicht alle ein bisschen Narziss?” begannen die mehr als 20 jungen Erwachsenen. In moderner Jugendsprache setzten sich die Spieler*innen in schwarzen Grundkostümen mit dem Thema auseinander. Die vielen Kursteilnehmer*innen haben einen Chor aufgestellt, der kommentiert, die einzelnen Szenen sind durch BLACKs, Discolicht und -Musik getrennt. Der ganzen Inszenierung muss man ungeheuren Sinn für Komik attestieren, nicht zuletzt, weil am Ende aus Narziss eine Narzisse wird, die von einer alten Frau gegossen wird. In sechs Szenen wird die Geschichte von der Zeugung (Cephisos und Liriope, in ange­deuteter Sexszene, wobei es im Original eine Vergewaltigung ist), Schwangerschaft und Ge­burt des Narziss, die Begegnung mit dem Seher Teresias, Narziss als junger Mann im Muscle Suit, umwoben von Schönheiten, die er ablehnt, auch die Nymphe Echo wird von ihm abge­lehnt, ein Zwischenspiel mit Kondomwerbung folgt, die Verfluchung des Narziss durch Aphrodite, die Selbstverliebtheitszene am Wasser (er tanzt mit dem Chor „Macarena“) bis zu der Erkenntnis seines Dilemmas (Musik: „Lonely“ von Akon). Freud taucht als Gelehrter auf und er­klärt die Begriffe Narzissmus, Selbsthass und Selbstliebe. Da steigen die Spieler*innen ein und erzählen nun ihrerseits, was für sie Selbstliebe bedeutet. So wechseln sich Solosätze mit Echos und Chorischem ab; das Stück gewann dadurch an Tempo, hatte tiefe Elemente und war gleichermaßen wunderbar energetisch und unterhaltsam, was nicht zuletzt an den aus­geklügelten Requisiten lag.


Mit „Ein Hauch von Glück” – frei nach “König Midas”, wiederum aus den Metamorphosen des Ovid war die Gier, hier das zentrale Motiv, etwas, zu dem auch die Schüler*innen sofort einen un­mittelbaren Zugang fanden.

Nach einem rauschenden Fest (herrliche Tanzszenen und Kostüme) wird Selenos al­leine betrunken zurückgelassen, jedoch dann von Midas und seinen Begleitern zu Dionysos zurückgebracht. Midas erhält seine Belohnung: alles, was er berührt, wird zu Gold. Mit Witz, Tempo, viel Slapstick und chorischen Kommentaren wird die Handlung vorangetrieben und es kommt, wie es kommen muss: Versehentlich verwandelt Midas seine geliebte Tochter (ein großer junger Mann mit Bart, Rock und Federboa) in Gold und dann, aus Verzweiflung darüber, sich selbst. Fazit: denk an das, was du hast und nicht an das, was dir fehlt… Brau­sender Applaus war der Gruppe, die ebenfalls mit Kortmann und Konsorten gearbeitet hat, sicher!

Launig klang der Donnerstagnachmittag mit der dritten Gruppe der Ernst-Reuter-Schule 1: Wieder begegnet den Zuschauer*innen eine weitere Fi­gur aus den Metamorphosen, der Titel: „Pygmalion – ich mach dich, wie du mir gefällst!“ Nicht nur Ovid, auch George Bernard Shaw standen hier Pate. Es ist die Erzählung der be­kannten Geschichte mit vertauschten Rollen: es geht um einen jungen Drogendealer, der von einer Sprachwissenschaftlerin zum Jungunternehmer gemacht wird, aber am Ende in keine der gesellschaftlichen Schichten wirklich Zugang findet. Die Idee der Schüler*innen: es gab eine Maschine, bestehend aus zwei Spielerinnen, in die der Probant hineintreten musste, um seine Sprache zu verbessern: Er musste solange Sätze der Maschine nachspre­chen, bis diese ihn freigab. Bei falscher Aussprache kollabierte die Maschine. Diese visuali­sierte Form der Sprecherziehung kam sehr gut an beim Publikum. Das Ende (natürlich) wie­der bitter: Der Mann wird aufgrund seiner hochgestochenen Sprache von seinen ehemaligen Bekannten abgewiesen; als Jungunternehmer hat er auch keinen Erfolg. Sein Monolog: er gehöre nun zu keiner Gesellschaft mehr, die Welten passten nicht zusammen, er passe we­der in seine alte “Unterschicht” noch in die “Oberschicht”. Das Ganze endet mit einer Kritik an der Sprachwissenschaftlerin: Im chorischen Sprechen der Spielen­den, ganz in schwarz ge­kleidet: so könne man nicht mit einem Menschen umgehen, wie sie es getan hat.