Bettinaschule & English Theatre

Schule ohne Theater ist ein Raum, in dem Kindern etwas Wesentliches fehlt: Das Spiel als Zugang zur Welt.

Bettina Tonscheidt

SEIT: 2011/18
ANSPRECHPARTNER*IN: Ulrike Baumgärtner
Tanja Gerner
WUNSCH: Jungen Menschen Erfahrungen von und mit Theater und Theatern Erfahrungen von und mit Jugendlichen zu ermöglichen

Projekt 2021

Die Kooperation stellt sich bereits im ersten Jahr als wundervolle Bereicherung dar: Aktuell arbeitet die Künstlerin im Wahlpflicht-Unterricht English Drama mit 24 Jugendlichen aus verschiedenen neunten Klassen. Ausgangstext ist ein Klassiker: Shakespeares Romeo und Julia. Gearbeitet wird nicht mit dem kompletten Dramentext, sondern mit ausgewählten Textauszügen. Die Jugendlichen erforschen das Drama in unterschiedlichen Formen: Cold reading der Originaltexte, spielerisches Entwickeln kurzer Audio dramas auf der Grundlage einer Auswahl der vielen, durchaus lustigen „insults“ (Beleidigungen) aus Shakespeare-Dramen, Table theatre, Figurenentwicklung über Textstellen und andere sprachliche und szenische Experimente. In Planung ist für das nächste Schuljahr die Zusammenarbeit der 31 BettinaChor-Mitglieder mit einer weiteren Künstlerin. Dem jahrgangsübergreifenden Chor, der seit jeher begeistert singt, szenisch darstellt und Libretti schreibt, bietet sich hier die Möglichkeit, für sein Musiktheaterprogramm 2022 von den Erfahrungen der Schauspielerin, Musikerin und Regisseurin zu profitieren. Es gibt auch schon Pläne für das 3. Jahr…

TUSCHprektakel 2021

Unter dem Titel Romeo und Juliet in a Sandwich – Aneignung eines „Klassikers“ hat der Wahlpflichtkurs 9 (English Drama) in zwei Gruppen jeweils eine Szene erarbeitet. Der Kurs arbeitete erst seit Februar mit der Künstlerin, und dann meistenteils online, bis sie sich dann vor einigen Wochen persönlich begegnet sind und ein Probenwochenende nutzten, das digi­tal Zusammengetragene in eine Form zu bringen. „The Trial“ lautete der Titel der ersten Szene: Friar Lawrence wird beschuldigt, Schuld am Tod des Liebespaares zu sein – war die Sache mit dem vorgetäuschten Tod Julias doch seine Idee gewesen. In unglaublich gutem Englisch nimmt also die Gerichtsverhandlung ihren Lauf, immer wieder unterbrochen durch den Gerichtsreporter, der für viel  Tempo und Kurzweil in der an sich düsteren Sache sorgt. Alle Spieler*innen sind immer auf der Bühne und ein*e jede*r bringt Plädoyers. Nach viel emotionalem Durcheinander, Hin und Her und unter Einbeziehung moderner Mediendis­kus­sion: „Wer bezahlt deinen Sender?“ gesteht der Mönch seine Schuld ein – eine unge­wöhnli­che Perspektive auf den „Fall“ Romeo und Julia und von den Jugendlichen selbst er­dacht.

Eine ganz andere Art von Theater präsentierte dann am Ende des Tages die Gruppe 2 von der Bettinaschule. Sie sind das Wagnis von Improvisationstheater eingegangen. Das heißt in diesem Fall konkret: sie haben sich mit den verschiedenen Figuren aus „Romeo and Juliet“ beschäftigt, sich deren „Wesen“ und Charakterzüge zu eigen gemacht und sich darauf vorbereitet, figu­renadäquat zu reagieren. „Townhall“ war das setting, also ein Bür­ger*innentreffen, bei dem über einen Antrag über eine Erneuerung in Verona abgestimmt werden soll. Es gab bereits: „a new prison“, „a new park“ und “a new shopping centre” – das wurde erzählt, um das Pub­likum auf seine Aufgabe einzustimmen, denn dieses sollte nun Vorschläge für eine weitere Neuerung machen, auf die die Spieler*innen dann reagieren mussten. Die Ansagen kamen von der Spielleiterin René Becker, auch die Aufteilung, wer da­für, wer dagegen argumentie­ren sollte, übernommen hatte. Und dann ging es los: Die Schü­ler*innen improvisierten, was das Zeug hielt zu den Vor- und Nachteilen einer „Huha-Bar“ (ähnlich einer Shisha-Bar) in Verone – so der Vorschlag aus dem Publikum. Sätze wie die von Mercutio: „Caraoke is a good reason for the bar” wurden von Romeo widerlegt: “Too noisy!” So ging es eine Weile hin und her, alle bleiben in ihren Shakespeare-Rollen; Romeo, um dann doch die Nähe zu Julia zu erreichen, hat dann letztlich die Seiten gewechselt und die Bar-Idee konnte dann mehrheitlich durchge­setzt werden. Hier war die Rolle von Friar Lawrence: „Bring Verona back together!“