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Frankfurter Neue Presse vom 25.02.2010

Mit freundlicher Genehmigung der
Frankfurter Neuen Presse, mehr siehe www.fnp.de

Wenn Theater in die Schule gehen

Lehrer, Schüler und Künstler diskutierten über eine engere Zusammenarbeit

Von Denise Klug

Theater und Schule zusammenzubringen ist das Ziel von «Tusch». Wie das funktioniert und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen, wurde beim Tusch-Plenum im Schultheater-Studio diskutiert.

Nordweststadt. «Ratatazong, Ratatazong, Ratatazong – Tusch», tönt es durch das Schultheater-Studio. Musiklehrer Wolfgang Schmitt-Gauer dirigiert Schüler, Künstler und Lehrer. Sein Ziel: ein würdiger Einstieg für das Tusch-Plenum.

Tusch steht für Theater und Schule. Bei dem Projekt werden Partnerschaften vermittelt. «Ich rufe Theater und Schulen an und Frage, ob sie Interesse haben. Dann schaue ich, wer am besten zusammen passt», erklärt Projektleiterin Gundula van den Berg. Das sei nicht so einfach. Denn die Institutionen sollten im gleichen Stadtteil oder zumindest in der Nähe zueinander liegen. «Es spielt auch eine Rolle, ob das Theater etwas für Kinder im Angebot hat, wenn ich es mit einer Grundschule vermittele. Oder, ob die Art des Theaters zu den Vorstellungen der älteren Klassen passt.» Viele Einrichtungen hingen darum noch in der Warteschleife.

«Das Motto lautet: Gucken und Machen», sagt die Projektleiterin. Somit sollen die Kinder der Partnerschule nicht nur Aufführungen besuchen, sie sollen selbst ein Stück aufführen. Inszenierungsgespräche, Workshops im Theater und Besuche von Schauspielern und Regisseuren in der Schule gehören ebenso zum Programm wie kreative Arbeitsformen im Unterricht.

Idee aus Berlin

Tusch gibt es seit mehr als zehn Jahren. Die Idee kommt aus Berlin und hat sich nach Hamburg, München, Stuttgart und eben auch Frankfurt ausgebreitet. Gundula van den Berg hat bereits 16 Partnerschaften vermittelt. «Uns wäre es natürlich am liebsten, wenn wir alle Schulen in Frankfurt und der Region mindestens einmal mit Tusch beschallen könnten», sagt sie. Neu dazugekommen ist nun der Main-Kinzig-Kreis. Partnerschaften gibt es unter anderem zwischen Schnurztheater und Erich-Kästner-Schule, dem TheaterGrueneSosse und der Beethovenschule sowie zwischen dem Schauspiel Frankfurt und der Carl-Schurz-Schule.  

Das Plenum ist bereits das dritte in Frankfurt. Schüler, Lehrer, Künstler und Theaterpädagogen kommen zusammen, um Erfahrungen auszutauschen. Einige Schülertheatergruppen präsentieren kleine Inszenierungen und stellen vor, was sie bereits erarbeitet haben. Und es wird eine Menge diskutiert. Es wird schnell klar: Theaterpädagogen und Schauspieler hätten gerne mehr Zeit zum Proben.

Ilona Sauer ist Theaterpädagogin bei der Internationalen Vereinigung des Theaters für Kinder und Jugendliche. Sie findet: «Theaterkunst braucht gerade bei der Arbeit mit Schülern Prozesse und Umwege.» Sie bedauert, dass eine Projektbegleitung der Theaterleute oft nur unter Zeitdruck möglich sei.

Zu wenig Zeit

«Wir haben zwei Stunden in der Woche, in denen wir mit den Kindern proben», erzählt Theaterpädagoge Philipp Haines, «und es ist auch mal langweilig, wenn wir Einzelszenen proben. Da sagen viele Schüler, dass sie nicht mehr mitmachen möchten.» Auch er fordert mehr Unterrichtsstunden, die dem Theater gewidmet werden. «Im strukturierten Schulalltag ist das nicht möglich», entgegnet Gabrielle Rupp, Lehrerin an der Ernst-Reuter-Schule. Dennoch sind sich fast alle Diskussionsteilnehmer einig: Es muss gekämpft werden – für mehr Zeit und Raum.

Wer bei dem Projekt mitmachen möchte, kann sich auf der Seite http://www.tusch-frankfurt.de ein Konzeptformular herunterladen und es bei Tusch im Schultheater-Studio, Hammarskjöldring 17a, einreichen.