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Frankfurter Neue Presse vom 13.03.2012

Theater macht Schule

Kooperationen stellten ihre selbst entwickelten Stücke im Studio vor

Theater und Schule zusammenzubringen ist das Ziel von "Tusch". Wie das funktioniert und welche Voraussetzungen dafür geschaffen werden müssen, wurde beim Tusch-Plenum im Schultheater-Studio diskutiert.

Nordweststadt. Um die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung des Theaters zu sichern und weiterzuentwickeln, muss Theaterspielen wie Musik und Bildende Kunst in der Allgemeinbildung verankert werden. Genau das ist das Ziel von "Theater und Schule" (Tusch). Bei nahezu frühlingshaften Temperaturen strömten die Menschen in den Saal des Schultheater-Studios. 16 Partnerschaften zwischen Theatern und Schulen sind seit Schuljahresbeginn wieder am Start, um gemeinsam Theaterprojekte zu entwickeln, Theaterbesuche, Inszenierungsgespräche, Workshops in den Theatern und Besuche von Schauspielern und Regisseuren in der Schule zu organisieren.

Interesse wecken

Tusch steht für die langfristige und nachhaltige Zusammenarbeit zwischen einem Theater und einer Schule und zielt auf die Verankerung ganzheitlicher kultureller Bildung. Wie dies im Einzelnen aussehen kann, welche Fragen und Diskussionsfelder sich auftun, wie sich Theater und Theaterarbeit mit Schülern verändert, welche Bildungsqualität Theater besitzt und wie sie nutzbar gemacht werden kann, wurde in Arbeitsgruppen diskutiert. Wie kann die Partnerschaft so lange wie möglich aufrecht erhalten werden, auch wenn der offizielle Förderzeitraum von drei Jahren überschritten ist? Denn feststeht: Wer drei Jahre gut zusammengearbeitet hat, möchte diese Partnerschaft nicht so schnell wieder aufgeben. "Das ist ja auch eines der Ziele von Tusch: Theater soll in der Schule bleiben, am besten als Schulfach mit ausgebildeten Theaterlehrern. Denn Tusch ist ein guter Weg dazu, Lust auf Theater zu machen", sagt Kerstin Liebe vom Schultheater-Studio.

 Viele Präsentationen

 Gerahmt wurde die Veranstaltung durch vier Präsentationen von Schülern: Die Sechstklässler der Georg-August-Zinn Schule, die seit zwei Jahren mit "Grenzart Theaterassoziation" zusammenarbeiten, nahmen ihre eigenen Schulerfahrungen mit hinein in ihre Auseinandersetzung um "Alice hinter den Spiegeln". Wie Mathematik in den Theaterunterricht gerät (wie viele Treppenstufen muss ich bis zum Realschulabschluss noch hochgehen?) wurde genauso anschaulich demonstriert wie Tanz, Lichteffekte und chorisches Sprechen. Märchenhaft und urkomisch ging es in dem selbst entwickelten Märchen der Grundschüler der Erich-Kästner-Schule zu, die ein viertes Tusch-Jahr mit dem Schnurztheater selbst finanziert. Die Wilhelm-Merton-Schule setzt mit dem Theater Willy Praml ganz auf Rhythmus: Es wurde getanzt, Seil gesprungen, aber auch ein selbst verfasstes Gedicht vorgetragen. Den Schluss bildeten Schüler der Carl-Schurz-Schule, deren Partnerschaft mit dem Schauspiel Frankfurt im dritten Jahr besteht: "Ist Nicht-Handeln nicht auch Handeln?" lautet ihre Frage in der Auseinandersetzung mit Hamlet, der sie in eindrucksvoller Weise Ausdruck verliehen.

Im Zentrum des diesjährigen Plenums stand übrigens der Vortrag von Gunter Mieruch, Projektleiter von Tusch-Hamburg, das dieses Jahr zehn Jahre alt wird. "Tusch ist ja mittlerweile zu einer Marke geworden: Die Städte Berlin, Hamburg, München, Stuttgart und Frankfurt arbeiten kontinuierlich an der Weiterentwicklung des Projektes", so Mieruch. Die Studie, die Mieruch unter anderem vorstellte und die zu diesem Jubiläum erstellt worden ist, erhellt in praktischen wie theoretischen Teilen die Kooperationsarbeit zwischen Theatern und Schulen. Dass letztlich aber auch Tusch ein Mittel ist, um langfristig die Theaterarbeit an Schulen fest zu installieren, machte Joachim Reiss, der Leiter des Schultheater-Studios, bereits in seiner Begrüßung deutlich. Solcherlei Projekte müssen Folgen haben – und sei es zunächst nur, dass beim diesjährigen Plenum etliche Schulen und Theater anwesend waren, die eine Kooperation erst anstreben.