TUSCHzeit 2007/08TUSCH Frankfurt | Projekte 2007 / 2008
TUSCH - „Theater und Schule" - ist ein Projekt zur langfristigen und nachhaltigen Zusammenarbeit zwischen Schulen und Theatern, das in Berlin entstanden ist und das sich dort und in Hamburg seit 10 Jahren bewährt hat. Seit 2007 gibt es TUSCH-Frankfurt, entwickelt von einem dreiköpfiges Team im Theaterpädagogischen Zentrum Frankfurt, dem Schultheater-Studio. Das Projekt soll künftig auch das Rhein-Main-Gebiet einbeziehen. Das Projekt setzt an den vorhandenen Kooperationsmöglichkeiten zwischen Theatern und Schulen an und entwickelt sie weiter. Um die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung des Theaters zu fördern und zu sichern, muss Theaterspielen wie Musik und Bildende Kunst in der Allgemeinbildung verankert werden. Dort entfaltet das Darstellende Spiel vielfältige positive Wirkungen einerseits als eigenständiges Schultheater, andererseits in der direkten Kooperation mit Theatern, TheaterkünstlerInnen und TheaterpädagogInnen. So unterschiedlich die Institutionen Theater und Schule auch sind: Im Bildungsauftrag liegt eine Gemeinsamkeit. Es geht um die Kunst des Zuschauens und Gestaltens, Kreativität, Sozialkompetenz und darum, sich in Szene setzen zu können. TUSCH fungiert als Mittler zwischen Kunst und Pädagogik und propagiert öffentlichkeitswirksam die Bildungsqualität von Theater. Jährlich finden neue Partner aus Schulen und Theatern zueinander, die ein Projekt anbieten oder sich um ein Projekt bewerben. TUSCH wendet sich an alle Schulen, unabhängig davon, ob es dort TheaterlehrerInnen und eine Schultheaterpraxis gibt oder nicht. Das TUSCH-Team vermittelt Kontakte und koordiniert das Gesamtprojekt. TUSCH-Projekte sollen Partnerschaften entwickeln, die von der ganzen Schule und dem ganzen Theater getragen werden. Diese Partnerschaften können aus ganz unterschiedlichen kleinen und großen Elementen bestehen, einzelne Theaterprojekte genügen nicht. In einem absehbaren Zeitraum sollen nach und nach systematisch und flächendeckend alle Schulformen und Alterstufen der Frankfurter Schulen und des Rhein-Main Gebietes erreicht werden. TUSCH will darüber hinaus ein möglichst breites Spektrum der Arbeitsfelder der Theater ansprechen; Interviews, Schreibwerkstätten, Umfragen können genauso zum Thema eines Projektes gehören wie die Beschäftigung mit der handwerklich-technischen Welt des Theaters oder dem Bereich der Öffentlichkeitsarbeit. Die Präsentationsmöglichkeiten sind entsprechend vielfältig. In jedem Fall aber sollen die Ergebnisse der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Einmal jährlich finden sich alle Beteiligten der laufenden Kooperationen in einem TUSCH-Plenum zusammen. Hierbei sollen sie ihre Ideen vorstellen, ihre bisherige Erfahrungen austauschen, das Gesamtkonzept im Licht dieser Erfahrungen gemeinsam mit dem TUSCH-Organisationsteam und den Förderern überprüfen und ein öffentliches TUSCH-Event planen. An einem Tag im Jahr präsentieren alle Gruppen ihre Projekte in einem TUSCHpektakel im schauspielfrankfurt. Die Ergebnisse der Partnerschaften können sehr vielfältig sein: kleinere oder größere Inszenierungen, Bühnenbilder, Video/Audio-Präsentationen, Diskussionsforen, musikalische Beiträge und vieles mehr. Die Veranstaltung hat Festivalcharakter und bietet Raum für Gespräche, neue Ideen und zum Feiern.
TUSCHpektakel am 27.5.2008 im schauspielfrankfurtNeun von unseren nunmehr 10 Partnerschaften zwischen Theatern und Schulen hatten dort erstmalig Gelegenheit, die Ergebnisse ihrer Kooperation einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. In jeweils zehn Minuten präsentierte jedes Projekt einen Ausschnitt ihrer Arbeit auf der Bühne, in Gesprächsrunden wurde die Zusammenarbeit reflektiert und diskutiert und in einer begleitenden Ausstellung dokumentiert. Herausgekommen ist eine vielfältige Mischung aus Clownstheater, Sprechtheater und Tanz, dargeboten von Förderschülern, Gesamtschülern und Schülern von (Beruflichen) Gymnasien. Trotz der zeitlichen Begrenzung auf zehn Minuten – die gesamte Spiellänge der Projekte ist an den jeweiligen Schulen und den beteiligten Theatern zu sehen – wurde deutlich, in welcher Weise die Zusammenarbeit mit den Künstlern und Künstlerinnen die Präsentationen beeinflusst hat. Die Tanzperformance der „Herderboys“ von der IGS-Nordend zeigte deutlich die Handschrift der Tänzerin und Choreographin Nicole Preisl, ebenso wie der Schauspieler und Clown Georg Bachmann die Jungen von der Förderschule Wallschule inspiriert hat, selbst überzeugend als Clowns sich auf die Bühne zu wagen. Dies sind nur zwei Beispiele, die zeigen, wie ertragreich es ist, wenn Künstler und Schüler zusammen arbeiten. Dass alle bisherigen TUSCH-Projekte für die Schüler durchaus gewinnbringend waren, stellte sich auch in den „Theater talks“ heraus, in denen alle Beteiligten die Gelegenheit hatten, sich miteinander und mit dem Publikum über ihre Erfahrungen auszutauschen. Einhellig war hier die Meinung der Schüler darüber, wie intensiv und für ihren eigenen Lernerfolg motivierend und stärkend sie die Phasen in den jeweiligen TUSCH-Projekten erlebt haben. Auch die Künstler und Theaterpädagogen waren sich einig, dass die Zusammenarbeit mit den Schülern äußerst fruchtbar war; sie haben einen aufschlussreichen Blick in die Lebens-, Gefühls- und Gedankenwelt der Jugendlichen erhalten, aber auch ihre eigene Wahrnehmung geschärft, beispielsweise wenn es um die Rezeption von klassischen Texten ging. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Projekt vom Theater Willy Praml und der Albert-Einstein-Schule, das sich mit Kleists „Amphytryon“ beschäftigt. Die Auseinandersetzung der Jugendlichen mit dem Stoff und ihre Umsetzung auf der Bühne zeigt, wie aktuell die dem Stück zu Grunde liegenden Themen auch für heutige Schüler sein kann. Für die Lehrer und Lehrerinnen bringen die Kooperationen vielfältige neue (pädagogische) Erfahrungen, die sie auch ein Stück aus ihrer Rolle entlässt und sie frei macht, gemeinsam mit den Schülern zu lernen und auf Entdeckungsreise zu gehen. Es ist gut, so eine Kollegin in einem „talk“, den gewohnten Raum auch einmal zu verlassen und sich mit neuen Zugangsweisen vertraut zu machen. Abschließend bleibt zu sagen, dass das erste TUSCHpektakel ein gelungenes Event war; viele Projektpartner äußerten den Wunsch, auch weiterhin zu kooperieren. Darüber hinaus gibt es ein großes Interesse, sowohl von Schulen als auch von Theatern, neue Partnerschaften einzugehen. |