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  Das Projekt TUSCH-Frankfurt

 TUSCH - „Theater und Schule“ - ist ein Projekt zur Förderung und Festigung von systemischer, langfristiger und nachhaltiger Zusammenarbeit zwischen Schulen und Theatern. TUSCH gibt es seit über einem Jahrzehnt erfolgreich in Berlin und seit mehr als sechs Jahren in Hamburg. TUSCH-Frankfurt lehnt sich an diese Konzeptionen an, wurde 2006 als Projekt des theaterpädagogischen Zentrums Schultheater-Studio entwickelt und ging 2007 erstmalig an den Start. Über das Schultheater-Studio vermittelt und gefördert bauen Schulen und Theater Partnerschaften auf, deren gemeinsames Ziel es ist, die Institutionen einander näherzubringen und mit Schülern kreativ zu arbeiten. Die Ergebnisse der vielfältigen Projekte, die aus diesen Partnerschaften entstehen, werden mehrmals jährlich öffentlich präsentiert. In absehbarer Zeit soll TUSCH flächendeckend alle Schulformen und -stufen der Frankfurter Schulen erreichen. Nach und nach werden auch die Schulen und Theater des Rhein-Main-Gebietes einbezogen. 

Allgemeine Ziele von TUSCH 

Um die gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung des Theaters zu sichern und weiterzuentwickeln, muss Theaterspielen wie Musik und Bildende Kunst in der Allgemeinbildung verankert werden. Junge Leute sollen die große Theatertradition nicht verkümmern lassen, sondern sie als Zuschauer und Theatermacher für sich entdecken. Doch Jugendliche finden nur selten den Weg ins Theater; wenn nicht vermittelt über das Elternhaus, so tun sie das am ehesten im Rahmen des Schulunterrichtes. TUSCH fungiert als Mittler zwischen Kunst und Pädagogik und propagiert öffent­lichkeitswirksam die Bildungsqualität von Theater und Theaterspielen, jenseits von und in der Auseinandersetzung mit den Massenmedien. Das Fach Theater entfaltet vielfältige positive Wirkungen: einerseits als eigenständiges Schultheater, andererseits in der direkten Kooperation von Theatern, TheaterkünstlerInnen und TheaterpädagogInnen mit Schulen. Durch die längerfristige Partnerschaft einer Schule mit einem Theater sollen eventuelle Berührungsängste abgebaut und das Theater zu einem selbstverständlichen Teil jugendlicher Lebenswelten werden. Es geht bei TUSCH insgesamt um die Verbesserung der Lern- und Schulkultur, damit „eines der mächtigsten Bildungsmittel, die wir haben“ (Hartmut von Hentig) nicht ungenutzt bleibt. Die Projekte bereichern die Arbeit aller Beteiligten und sind geprägt von dem Gedanken der gegenseitigen Öffnung und beiderseitigem Geben und Nehmen. TUSCH will an bereits vorhandenen Kooperationen und Strukturen anknüpfen, sie vertie­fen und erweitern. Partnerschaften sollen längerfristig Zeit haben, um sich zu entwickeln, wodurch die Zusammenarbeit Kontinuität und Nachhaltigkeit erfährt. Drei Jahre kann eine Partnerschaft maximal gefördert werden: Das erste Jahr dient dem gegenseitigen Kennen lernen und der Entwicklung und Durchführung erster gemeinsamer Projekte. Im zweiten Jahr soll die Partnerschaft ausgeweitet werden, so dass dem Ziel, „Theater und Schule sind Partner“ auf möglichst vielen Ebenen entsprochen wird. Das dritte Jahr schafft persönliche Bindungen, die weiter gehen und es ermöglichen, dass die Partnerschaften aus Eigenmitteln weiter finanziert werden können. Erfahrungen, die Kinder und Jugendliche mit dem Lernort Theater machen, beeinflussen das Verhältnis von Kultur und Bildung auf verschiedenen Ebenen dauerhaft positiv: 

Die Theater 

TUSCH bietet den Theatern die Möglichkeit, Einblicke in die Vielfältigkeit jugendlicher Lebenswelten zu erhalten. Durch die Kommunikation mit den SchülerInnen gewinnen die Theater einen Eindruck des Publikums von morgen und können ihren eigenen Horizont erweitern, indem sie durch die Kooperation mit SchülerInnen die Möglichkeit erhalten, die Interessen, Haltungen und Erfahrungen junger Menschen als „Experten ihres Alltags“ wahrzunehmen. Die Theater sollen die SchülerInnen mit dem umfassende Spektrum ihrer Arbeit bekannt machen, sich aber auch be- und hinterfragen lassen. Was können sie tun, um auf die Interessen von Kindern und Jugendlichen einzugehen? Wie und womit können sie junge Menschen ansprechen? Aus diesem Dialog können sich neue Impulse für eine aktuelle und zeitgemäße Theaterarbeit ergeben. Darüber hinaus wird den Büh­nen durch TUSCH der Zugang zu sonst eher theaterfremdem Publikum erleichtert. Dies kann sich positiv auch auf das Engagement in Theaterjugendclubs auswirken.  

Die Schulen

 In der Begegnung mit dem außerschulischen Lernort Theater will TUSCH einen Beitrag dazu leisten, ästhetische Bildung im Schulalltag zu verankern. Wichtig bei einer Partnerschaft zwischen Schule und Theater ist die Einbeziehung der gesamten Schulgemeinde. Eine Gelingensbedingung ist, dass die Schulleitung von Anfang an mit dabei ist, dass sie die Partnerschaft befürwortend mit trägt und sie nach innen wie nach außen kommunizieren hilft. Damit es nicht bei einem einzigen Projekt bleibt, sollen möglichst viele Fächer und Lerngruppen mit in die Partnerschaft einbezogen werden, so dass eine großflächige Verzahnung mit dem Partnertheater möglich wird. wobei das Fach Theater hier eine besondere Rolle spielt. TUSCH wendet sich an alle Schulen, unabhängig davon, ob es dort TheaterlehrerInnen oder eine Schultheaterpraxis gibt oder nicht. Wo es TheaterlehrerInnen gibt, soll deren Rolle in der Lernkultur der Schule durch TUSCH gestärkt werden, wo es sie nicht gibt, soll die Schule angeregt werden, TheaterlehrerInnen einzustellen oder auszubilden. Daher sollen sie in den Schulen auch eine Mittlerrolle zwischen den beteiligten Institutionen und Personen (Schulen, LehrerInnen, Theater, KünstlerInnen, TheaterpädagogInnen) übernehmen, in dem sie Lehrkräfte anderer Fächer mit in die Partnerschaft einbinden. So entstehen auch weitere Nebenprojekte. Für TheaterlehrerInnen ergibt sich darüber hinaus die Möglichkeit, durch die professionelle Koopera­tion neue Wege im Bereich des Schultheaters und des Unterrichtsfach Theater zu gehen.TUSCH will den Gedanken von interdisziplinärem Lernen fördern, indem es sowohl fächerübergreifend als auch projektorientiert ansetzt. Ein wichtiges Ziel ist es, das Produkt oder auch die Produkte, die aus der Kooperation entstanden sind, in der Schule öffentlich zu präsentieren und damit die Schulkultur zu entwickeln, wobei schon an der möglichen vielfältigen Fächerbeteiligung deutlich wird, dass es sich bei den Präsentationen keineswegs nur um Theateraufführungen handeln muss. Allein mit Blick auf die hessenweiten Haupt- und Realschulprüfungen bieten Präsentationsmöglichkeiten im Rahmen von TUSCH Motivation und Ideen.Die Schulgemeinde kann nach innen über die gemeinsame Bindung an ein Thea­ter ein Zusammengehörigkeitsgefühl entwickeln und nach außen ihr Profil schärfen und ihr Schulprogramm erweitern. 

Die Schülerinnen und Schüler

 Für die „Hauptakteure“ bei TUSCH stehen folgende Punkte im Mittelpunkt:

  • für den einzelnen Schüler / die einzelne Schülerin die Suche nach Ausdrucks- und Gestal­tungsmitteln,
  • für die Gruppe / die Klasse / den Jahrgang die Wahrnehmung der anderen im Spiel und in der Interaktion,
  • das Selbstverständnis in der Nutzung kultureller Angebote eben auch der Jugendlichen oft­mals schwer zugänglichen „Hochkultur“ der Stadt, in der sie leben und deren Teil sie sind,
  • das Lernen mit außerschulischen Partnern, die nicht mit einem dezidiert pädagogischen Auf­trag an die SchülerInnen herantreten.

 Theater sprechen mit ihren Aufführungen eine Vielzahl von Themen an, die Heranwachsende beschäftigen. Die Inhalte der Theaterstücke bieten ein großes Spektrum an Auseinandersetzungsmöglichkeiten in historischen, politischen, sozialen, psychologischen und ästhetischen Bereichen. Durch die ausführliche Beschäftigung mit einem Stoff, einem Stück oder einer Frage und den damit einhergehenden Umsetzungsmöglichkeiten kann eine Tiefendimen­sion und Empathie erreicht werden, die weit über das Erleben beim einmaligen Schauen eines Stückes hinausgeht. Wo Heranwachsende im Spiel erfahren, dass Umdenken, Erwägen, einen neuen Weg einschlagen oder etwas anderes Ausprobieren erweiterte Möglichkeiten für ihr Handeln bieten, können sie gleichzeitig ihre Handlungsspielräume erweitert nutzen oder kritisch hinterfragen. In der längerfristig angelegten Auseinandersetzung mit den Arbeitsbereichen eines professionellen Theaters können die SchülerInnen Erfahrungen und Informationen sammeln, die sich wiederum in ihren (Schul)alltag integrieren lassen und in eigene Inszenierungen münden, wobei Künstler und Theater-LehrerInnen helfen, eine für das Schultheater angemessene Form zu finden. Darüber hinaus kann der Einblick in die Berufswelt Entscheidungen über Betriebspraktika oder der Suche nach Ausbildungsplätzen positiv entgegenkommen. Ohne, dass es sie zunächst unmittelbar betrifft, werden die SchülerInnen mit der Wichtigkeit der so genannten Sekundärtugenden und beruflichen Schlüssel­qualifikationen konfrontiert: Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Kreativität, Ambiguitätstoleranz, Team- und Kooperationsfähigkeit werden hier als Arbeitsvoraussetzungen vorgelebt. In der Kommunikation mit den „Profis“ lernen die SchülerInnen, Fragen, Anliegen und Kritik klar und verständlich zu formulieren. Ziel ist hierbei ein souveräner Umgang mit Kultur und deren Trägern, langfristig ist eine Integration in das kulturelle Leben der Stadt angestrebt, insbesondere in das des Theaters.  

Die Situation in Frankfurt 

TUSCH setzt in Frankfurt an vorhandenen Strukturen und Kooperationsmöglichkeiten zwischen Theatern und Schulen an und kann somit zur Qualitätskontrolle und Verbesserung gegebener Strukturen beitragen und sie un­terstützen. Das Projekt wurde vom Schultheater-Studio Frankfurt initiiert und auf den Weg gebracht. Das Schultheater-Studio übernimmt die Aufgaben der Koordination, Vermittlung, Organisation und Evaluation In der Startphase standen besonders die Beratung des Kon­zeptentwurfs mit den Partnern und Förderern, konkrete Sondierungsgespräche mit Theatern und Schulen und Anfragen an Förderer im Vordergrund. Mit dem TUSCH-Team hat das Schultheater-Studio bereits in das Projekt investiert: Eine Theaterlehrerin wird aus Mitteln des Kultus­ministeriums finanziert, TUSCH ist offizieller Schwerpunkt der Freiwilligen im kulturellen Jahr und der Leiter des Schultheater-Studios ist in der Pilot- und Modellphase intensiv beteiligt. Die Stadt Frankfurt bietet also gute Voraussetzungen: unter anderem bestehen bereits folgende Anknüpfungspunkte: 
¨      Frankfurter Schultheatertage im Künstlerhaus Mousonturm
¨      Theaterpädagogische Angebote und Projekte des schauspielfrankfurt
¨      Musiktheaterprojekte der Frankfurter Oper mit einzelnen Schulen
¨      Kooperationsverträge von Schulen mit dem Theaterhaus
¨      Theaterpädagogische Angebote des Theaterhauses
¨      Gastspiele von SchülerInnentheatergruppen im Gallustheater
¨      Workshops des Schultheater-Studios zu Produktionen des Schauspiels und des Theaterhau­ses
¨      SchülerInnentheatergruppen im Schauspiel, Theaterhaus, Gallustheater, Internationales Thea­ter, English Theatre u. a.
¨      Schultheater-Studio mit dem kompletten Angebot eines Theaterpädagogischen Zentrums (ver­gleichbar mit Musikschulen oder Jugendkunstschulen) 

Darüber hinaus gibt es in Frankfurt Theater, Theatergruppen, Theaterpädagogen und Schulthe­ater:
¨      Theater mit eigenem Ensemble, regelmäßigem Spielbetrieb und Theaterpädagogik
¨      Gastspieltheater, Theater für freie Gruppen und für Projekte
¨      Freie Theatergruppen, Gruppen ohne eigene Spielstätte
¨      Theaterpädagogen der „Konferenz Theaterpädagogik Rhein-Main“ (im Schultheater-Studio Frankfurt) und weitere TheaterpädagogInnen
¨      Schultheater mit eigener Spielstätte und regelmäßigen Projekten und Aufführungen
¨      Ausgebildete TheaterlehrerInnen in vielen Frankfurter Schulen
¨      Sonstige Veranstalter von Theater (Saalbau u. a.)
¨      Schultheater-Studio / Theaterpädagogisches Zentrum 
Mit den hier dargestellten infrastrukturellen Voraussetzungen und dank der Existenz des Schultheater-Studios bietet Frankfurt gute Bedingungen, um das Projekt TUSCH erfolgreich weiter zu führen und immer wieder neue Impulse sowohl in die Schulen als auch in die Theater zu tragen. Im Frankfurter Umland wie im gesamten Rhein-Main-Gebiet sollen im Laufe der Zeit bereits bestehende Kooperationen und die Theaterlandschaft erkundet werden, um auch dort, mit anderen Finanzierungsmodalitäten, TUSCH-Partnerschaften weiter zu initiieren.